Krankenschwester in der ambulanten Versorgung ll

In einem Land vor unserer Zeit… Lebte es sich vor dem Zeitalter von Handy und Internet wirklich gemeinschaftlicher und familiärer? Und wo gibt es eigentlich Zahnbürsten für die Zunge? Über zwei Tage begleiten wir die Pflegefachkraft XY bei ihrer Arbeit beim Pflegedienst Hessen-Süd.

6:32 Uhr: Ich fahre auf ein hell beleuchtetes Haus zu, in der meine erste Pflegekundin für heute wohnt. Die Dame wird liebevoll von ihrem Ehemann versorgt, er sorgt so ein bisschen für uns mit, in dem er uns in seiner (torgeschützten) Einfahrt parken lässt, keine Parkplatzsuche alles easy. Ich kenne heute alle meine Pflegekunden, die ich zu besuchen habe.

Dieselbe Tour wie einen Tag zuvor. Keine Änderungen, keine Zusätze, auch mal ganz schön. Sich einfach mal nur auf die Pflegekunden einlassen, die Tätigkeiten dort einhalten, überwachen und kritisch überdenken und dies in einer allein, verantwortungsvollen Eigenregie……… gerade jetzt mag ich meine Tätigkeit sehr gern und bin stolz auf das, was ich hier schaffe.

Bei der ersten Pflegekundin am Pflegebett angekommen, befinde ich mich mitten im Leben dieser hilfsbedürftigen Person und deren Ehemann. Ich bin Gast und als solcher verhalte mich auch. Ich versuche, während ich in der Dokumentation alles Vorherige aufnehme und mich auf den aktuellsten Stand bei der zu Pflegenden bringe, ein Gespräch möglichst aufmerksam und mit viel Blickkontakt zum Ehemann als Dialog zu führen.

Die Bereitstellung aller Pflegehilfsmittel erfolgt im Flug, so nebenbei und ein erster direkter Blick und Körperkontakt zur Pflegekundin entsteht. Ich nehme sehr viele Eindrücke war, indem ich meine linke Handinnenfläche mit leichtem Druck auf ihre rechte Schulter lege. Gerade eben bin ich Dienstleister mit allen fünf Sinnen. Frau D. erwidert meine Kontaktaufnahme mit nicht adäquaten Mundbewegungen, Kopfdrehen aber alles in einer Form die nicht abwehrend auf mich wirkt. Der Raum, in dem ich mich gerade befinde, ist angenehm warm, etwas zu warm für mich, dann ist er ansatzweise richtig für die Pflegkundin im Bett. Der Ehemann tritt mir gegenüber, auf der anderen Bettseite und bringt sich in die Pflegehandlungen, wie Drehen, Lagerung sichern, Sicherheit wahren und persönliche Ansprache von seiner Ehefrau sehr kooperativ mit ein. Ich fühle mich in diesem Pflegeprozess wohl, geschätzt und in Zusammenarbeit mit dem engsten Vertrauten dieser sehr hilfsbedürftigen Person sehr bestätigt.

Ich tue das Richtige, ich werde gebraucht und meine Arbeit wird geschätzt. Bei der Lagerung der Kundin stimme ich mich mit dem Ehemann ab. Der Tag wird nach meinem Abschied seinen Verlauf nehmen, ohne mein Dasein, ohne meine Verantwortung. Somit muss ich, solange ich vor Ort bin, alle Ressourcen, Gefahren, Probleme in einfache und vor allem an diese ganz spezielle Pflegesituation anpassen, durchdenken und verantworten können. Das heißt nicht nur, dass ich verbindliche Aussagen treffen muss, nein, ich muss alles, was ich außer den vereinbarten Leistungen rate, und am Pflegekunden mache, dokumentieren. Die Arbeit ist allumfassend zu beidseitigem Einverständnis verlaufen, ich dokumentiere, setze mein Handzeichen in den Leistungsnachweisen und lobe und ermutige den Ehemann zu weiterer Pflegearbeit an seiner Frau.

Ich gebe kurze Tipps zur Mundpflege und rate zu einer Zungenbürste. Herr D. hat noch nie von so einem Reinigungsgerät gehört und bittet mich freundlich eine solche zu besorgen. Ich überlege kurz und schreibe gedanklich meinen persönlichen Einkaufszettel so, dass ich auf jeden Fall heute nach meinem Dienst an einer gut sortierten Drogeriekette vorbeikomme. Er lächelt ein wenig bescheiden und erzählt von früher. Sein Familienleben mit seiner Frau und den Kindern. Eine ganz andere Zeit als heute. Durchzogen von Miteinander, Nachbarschaftshilfe, Wärme, Kuchenbacken und Sonntagsbraten, ohne Handy und Internet. Unsere Zeit kommt mir bei dieser Art von Erzählungen immer ein wenig ärmer vor.

7:05 Uhr: Ein Blick auf meine Armbanduhr lässt mich aus meiner kurzweiligen Nostalgie entspringen. Ich nähere mich ein letztes Mal Frau D. und verabschiede mich auf dieselbe Art wie ich unsere Begrüßung gestaltet habe. Kurzes Erwidern, leichtes Schmatzen, die Augen sind geschlossen, ein leichter Duft von PC30V, Nivea Milk und Herbstgartenluft (nachdem Frau D. warm eingepackt ist, frage ich immer gern, ob ich lüften darf, so auch an diesem Morgen) weht mir in genau diesem innigen Moment der den Abschluss meiner Pflegehandlungen bildet um meine Nase. „Nicht der schlechteste Geruch!“

7:09 Uhr: Ich sitze im Auto, das Radio läuft leise im Hintergrund, Herr D. lotst mich „fachmännisch“ aus der Einfahrt und regelt gleichzeitig den Verkehr auf der Straße davor. Ich schmunzle leicht vor mich hin, aber verabschiede mich ein weiteres Mal mit heruntergelassener Scheibe bei ihm und bedanke mich für seine umsichtige Art und Weise. Ich sage: „Bis bald“, und gehe aufgrund der Gesamteindrücke auch von einem nächsten Mal aus.

7:11 Uhr: Meine zweite Pflegekundin ist heute Frau P. . Ihre Tochter begegnet mir auf dem Weg zu ihrer Arbeit im Treppenhaus. Kurze Behandlungspflege, routinierte Handlung an der Kundin vor Ort, derselbe Status wie sonst auch. Ein freundliches Gespräch zum Tagesablauf und zum Wetter (ein unerschöpfliches Thema bei vielen älteren Menschen). Frau P. hat heute Morgen noch einen privaten Außentermin zu erledigen und bittet: „Nicht so fest wickeln, bitte!“ „Klar, kein Problem“, die Binde wird nach dem Prinzip: „Wir beide sind zufrieden“ angelegt.

Der Morgen schreitet dahin, der Morgenhimmel setzt sich durch, die Herbstwolken lassen zaghafte Sonnenstrahlen durch. Die Straßen füllen sich. Und ab jetzt kommt eine wahnsinnig, unkalkulierbare Variante hinzu: „Die selbstständigen Grundschüler“ auf Rollern, Fahrrädern und zu Fuß. In Gruppen oder allein. Kurzer Gedanke an zu Hause. Hoffentlich macht mein Sohn heute Morgen sein Licht am Fahrrad an, bevor er losfährt. Nach vier Eberstädterinnen als Pflegestationen, breche ich auf in die „Rush Hour“ nach Darmstadt.

8:05 Uhr: Ich parke in der Waldkolonie, direkt vorm Haus der nächsten Kundin. Deren Schlüssel ist gezückt, bevor ich klingel. Sie öffnet mir schlaftrunken und erwidert meine Begrüßung. Diesmal gibt es eine Blutzuckermessung mit anschließender Insulintherapie. Die Werte sind stabil und Frau K. erzählt, was sie heute so vorhat.

Mir fällt auf, dass ich heute nur bei Damen zu Gast bin. „Naja, es gibt schlimmeres“, ich freue mich über alle bunten Touren, wo Männer und Frauen gleichermaßen vorkommen. Insgesamt ist die Tour bunt geplant, alle Pflegehandlungen kommen vor, nur sind es halt zufällig nur Damen heute. „Na denn, hoffen wir mal, dass alle Damen mit meiner persönlichen Behandlung zufrieden sind“, denke ich mir. Damen sind anspruchsvoller, was die persönliche Zuwendung angeht. Ich kann mich leider nicht davon trennen, dass ich manche Kunden mehr mag als andere. Das ist menschlich, dazu stehe ich, das ist bei meinen Kollegen/Kolleginnen nicht anders.

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