Computerspiele: Ein Ansatz in der Demenz Therapie

Können Computerspiele wirklich bei Demenz helfen? Was vor einigen Jahren noch ungewöhnlich klang, gewinnt in der modernen Demenztherapie zunehmend an Bedeutung. Wissenschaftler und Pflegeexperten beobachten, dass speziell entwickelte digitale Spiele das Gehirn aktiv halten, die Konzentration fördern und Freude im Alltag schenken.

Computerspiele ersetzen keine medizinische Behandlung. Sie ergänzen die klassische Therapie aber sinnvoll. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wie Computerspiele bei Demenz wirken, welche Spiele sich eignen und worauf Sie als Angehöriger achten sollten.

Gemeinsam Lesen in einer Demenz-WG, mehrere Bewohner sitzen an einem Tisch und sind im Austausch

Warum Computerspiele Menschen mit Demenz helfen können

Das Gehirn bleibt lernfähig, auch im Alter und auch bei einer beginnenden Demenz. Genau hier setzen Computerspiele an. Sie fordern Aufmerksamkeit, Reaktion, Erinnerung und logisches Denken zugleich und halten so verschiedene Gehirnbereiche aktiv.

Mehrere Studien belegen diesen Effekt. Forscher der Universität Montreal zeigten 2017, dass ältere Menschen durch regelmäßiges Spielen mehr graue Substanz im Hippocampus aufbauten, einer für das Gedächtnis wichtigen Hirnregion. Auch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin wies nach, dass Computerspiele das Gehirn messbar verändern und einzelne Bereiche wachsen lassen.

Was Computerspiele bei Demenz bewirken

Für Menschen mit Demenz bedeutet das: Spielerische Aufgaben am Bildschirm können dazu beitragen, vorhandene Fähigkeiten länger zu erhalten und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Computerspiele wirken dabei auf mehreren Ebenen:

  • Geistige Aktivierung: Rätsel, Memory- oder Reaktionsspiele trainieren Gedächtnis und Konzentration.
  • Emotionale Wirkung: Erfolgserlebnisse stärken das Selbstwertgefühl und schaffen Freude.
  • Soziale Begleitung: Gemeinsames Spielen mit Angehörigen oder Pflegekräften fördert den Austausch.
  • Bewegung: Bewegungsbasierte Spiele verbinden körperliche Aktivität mit geistiger Übung.

Welche Spiele für Menschen mit Demenz geeignet sind

Nicht jedes Computerspiel passt. Schnelle Action-Spiele oder komplizierte Bedienungen überfordern eher. Geeignet sind Spiele, die einfach zu verstehen sind, ruhig ablaufen und schnelle Erfolgserlebnisse bieten. Fachleute sprechen oft von Serious Games, also Spielen, die nicht nur unterhalten, sondern gezielt einen Nutzen für Gesundheit, Lernen oder Therapie bringen.

Worauf Angehörige beim Spielen achten sollten

Computerspiele wirken am besten, wenn sie zur Person und zum Tagesablauf passen. Angehörige spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie wählen geeignete Spiele aus, begleiten beim Einstieg und sorgen für eine entspannte Atmosphäre.

  • Klein anfangen: Kurze Einheiten von 10 bis 20 Minuten reichen am Anfang aus. Lieber häufiger und kürzer als zu lang am Stück.
  • Gemeinsam spielen: Begleitung gibt Sicherheit. Sitzen Sie daneben, erklären Sie ruhig die Aufgabe und freuen Sie sich gemeinsam über Erfolge.
  • Kein Leistungsdruck: Es geht nicht um Punkte oder Bestzeiten, sondern um Freude, Aktivierung und Austausch.
  • Geräte vorbereiten: Stellen Sie Lautstärke, Helligkeit und Schriftgröße so ein, dass alles gut zu erkennen und zu hören ist.

Gemeinsames Spielen schafft Nähe. Viele Angehörige berichten, dass die Zeit am Tablet zu wertvollen gemeinsamen Momenten wird, auch wenn Gespräche im Alltag schwieriger geworden sind.

Computerspiele ersetzen keine professionelle Demenzbetreuung

So hilfreich digitale Spiele auch sind, sie decken nur einen Teil dessen ab, was Menschen mit Demenz im Alltag brauchen. Mit fortschreitender Erkrankung wachsen die Anforderungen an Pflege und Begleitung. Körperpflege, Medikamentengabe und der Umgang mit herausfordernden Situationen erfordern Fachwissen, Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen.

Eine gute Demenzbetreuung verbindet verschiedene Bausteine: medizinische Versorgung, pflegerische Unterstützung, Aktivierung und soziale Begleitung. Computerspiele leisten einen sinnvollen Beitrag in der Aktivierung, ersetzen aber weder die fachliche Pflege noch die persönliche Zuwendung durch geschulte Betreuungskräfte.

Der Pflegedienst Hessen-Süd begleitet Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in Darmstadt und Umgebung. Unsere Pflegekräfte sind speziell für den Umgang mit demenziellen Erkrankungen geschult und stimmen die Betreuung individuell ab. Dabei beziehen wir gerne auch aktivierende Angebote wie Spiele, Musik oder biografische Gespräche in den Pflegealltag ein.

Eine Gruppe älterer Menschen spielt Boccia im Garten einer Demenz-WG, während sie von einer Pflegekraft begleitet werden.

FAQ: Häufige Fragen zu Computerspielen bei Demenz

Computerspiele als Baustein in der Demenztherapie

Computerspiele bieten Menschen mit Demenz eine neue Möglichkeit, geistig aktiv zu bleiben, Erfolgserlebnisse zu erfahren und gemeinsame Zeit mit Angehörigen zu genießen. Sie ersetzen keine medizinische Behandlung und keine professionelle Pflege, ergänzen aber den Alltag auf eine spielerische und freundliche Weise.

Studien zeigen, dass regelmäßiges Spielen das Gehirn fördert und einzelne Fähigkeiten länger erhält. Entscheidend bleibt, die Spiele zur Person passend auszuwählen, kurze Einheiten einzuplanen und das gemeinsame Erleben in den Vordergrund zu stellen. So wird aus dem Tablet oder der Spielekonsole ein wertvoller Begleiter im Alltag mit Demenz.

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